"Ich muss erst mal fit werden.."

Jeder Trainer kennt sie – die Ausrede Nr. 1: 

Ich kann leider noch nicht anfangen, ich muss erst mal fit werden, bevor ich starten kann.. ich geh jetzt erst mal regelmäßig joggen”

Ich möchte euch anhand dieses Beitrags in drei Schritten aufzeigen, warum diese Aussage völlig falsch ist.

1. Brazilian Jiu Jitsu als Ganzkörper-Fitness-Programm

Jeder, der es schon mal probiert hat, weiß es bereits. BJJ ist nicht nur eine Kampfsportart, es ist ein unfassbar effektives Ganzkörperworkout. Der Aufbau unserer Unterrichtseinheiten ist so gestaltet, dass jeder einzelne Teilnehmer von Anfang bis zum Ende durchhalten kann.

Nach einem gemeinsamen Warmup und anschließenden Fitnessteil geht es über in einen Technikteil mit anschließendem Sparring (“Rollen”).

Es gibt kein Rumgeschreie und keine blöden Kommentare, wenn der eine oder die andere nicht jede Übung von Anfang bis Ende komplett mitmacht. Jeder kann sich am Besten selber einschätzen und in Eigenverantwortung öfter Pausen einlegen um das Tempo bis zum Schluss mitgehen zu können. 

Man soll ermutigt werden über seine Grenzen hinauszugehen, aber ist trotzdem jederzeit in der Lage abzubrechen. Die Gruppendynamik erzeugt in der Folge eine Welle, auf der man mitschwimmen kann,  so dass man seine vorherigen Grenzen wesentlich leichter überschreitet. Gerade am Anfang, weiß man nicht so recht was mit einem passiert und nimmt jeden Griff mit aller Kraft als würde das eigene Leben davon abhängen. Gerade dieses ständige “Alles-Geben” in unbekannten Situationen und Positionen liefert ein extrem gutes Workout, welches man oft erst am nächsten Tag richtig spürt. Nach kurzer Zeit gewöhnt man sich an die neue Belastung und es ist möglich immer mehr Runden zu rollen.

2. Es geht am Anfang nicht um die Weltmeisterschaft

Die Atmosphäre einer Kampfsportschule macht letztlich den entscheidenden Faktor aus. Es gibt manche Schulen, die die Herangehensweise vertreten man müsste jeden Neuling erst mal so heftig wie möglich fertig machen, um ihm zu zeigen wie gut man ist und was letztlich durch den Sport erreicht werden kann. Wir sind absolute Gegner dieser Einstellung.

Es ist ein Unterschied, ob ich mit einem Lächeln auf dem Gesicht jemanden in 5 Minuten 20 mal zur Aufgabe bringe oder diesen so heftig anpacke, dass dieser mit Schmerzen und kleineren Verletzungen nach Hause geht. Wesentlich beeindruckender ist aus unserer Sicht die technische erste Variante.

Wenn die Trainer dies im Training selbst und  im Umgang mit den Schülern vorleben und zwischen den Schülern forcieren und fordern, entsteht ein positives Umfeld, in dem niemand Angst haben muss direkt das Gelernte auszuprobieren. Unsere Schüler helfen deswegen immer und erleichtern den Einstieg. Keine übertriebenen Egos. Keine unfreundlichen Gesichter. Es geht nicht um die Weltmeisterschaft, sondern darum, dass jeder jeden Tag ein bisschen besser wird. 

3. Jeder verliert am Anfang

Es gibt zwar Naturtalente im Brazilian Jiu Jitsu, aber grundsätzlich verliert jeder am Anfang. Es kann natürlich sein, dass man noch den einen oder anderen Trick aus seiner kurzen Judo, Krav Maga oder irgendwas-Zeit im Köcher hat, aber auch dieser – sollte er der einzige bleiben – wird schnell alt und unwirksam. 

Das Beeindruckende am BJJ ist die Effektivität.  Eine richtige Vorbereitung auf die erste Einheit ist nicht wirklich möglich. Man muss es einfach machen. 

Wir haben für jeden Anfänger ein extra Programm, welches einer unserer Coaches im Technikteil separat vom Rest der Gruppe mit den Ersties durchgeht, so dass diese grobes Handwerkszeug für den Anfang erhalten und eine erste Vorstellung erhalten, was möglich ist. 

Beim anschließenden Kämpfen wird keiner der bereits länger aktiven Mitglieder versuchen die Neulinge zu vernichten. Viel mehr sollen diese mit leichter Gegenwehr ohne große Angst das Gelernte ausprobieren. Trotzdem wird man hierbei schlicht ständig verlieren.

Entscheidend ist nur, dass man nie aufhört und es immer weiter versucht!